Prokrastination – Wenn der kleine Teufel zwickt!

Endlich Schreibzeit! Vielleicht schlafen deine Kinder gerade, oder du kannst einen freien Tag dein Eigen nennen – egal, welche Umstände dich umtreiben: Gerade jetzt ist die Gelegenheit gekommen, um dich Platz nehmen zu lassen und die Worte zu Papier zu bringen, die dir schon den ganzen Tag im Kopf herum gespukt haben.

Und dann passiert das Unglaubliche, etwas, wovor wir Selbständige alle Angst haben, und von dem wir immer hoffen, dass dieser „Virus“ uns nicht befällt: Die Prokrastination hält Einzug und mit ihr das vollkommene Erschlaffen eines jeglichen Antriebs, dein Projekt voran zu bringen.

Statt Worte in die Tasten zu hauen, hast du plötzlich graue Watte im Kopf und klickst dich in glückseliger Selbstvergessenheit durch die bunte Netzwelt. Und das nicht nur zehn Minuten, sondern womöglich stundenlang. All die kostbare Zeit, die du dir so sehr herbei ersehnt hast, damit du endlich anfangen kannst zu schreiben, verschwendest du mit Nebensächlichkeiten, scheinbaren Verpflichtungen oder mit der Erledigung von Dingen, die – wie überraschend! – plötzlich keinen Aufschub mehr dulden. Was ist passiert?

Wieso schreibst du nicht, sondern verschwendest deine Zeit an die Prokrastination?

Ganz einfach: Du lenkst dich auf einer unterschwelligen Ebene deines Bewusstseins vom Herangehen an ein Problem ab.

Offensichtlich ist unser Kopf sehr gut darin, denn sonst träfe die Krux der Prokrastination nicht so viele von uns …

Irgendwo in den Tiefen deines Bewusstseins schlummert ein Problem, das zuerst gelöst werden will, bevor dein Kopf dir Zugang zum Schreiben gestattet. Und solange das Problem nicht erkannt und beseitigt ist, prokrastinierst du fröhlich vor dich hin, während dein Frust und deine Enttäuschung über die eigene Disziplinlosigkeit schleichend langsam aber unerbittlich wachsen, bis du Gefahr läufst, dich in eine waschechte Schreibblockade zu manövrieren.

Wie kommst du also der Prokrastination bei?

1. Erkenne, was die Ursache für die Prokrastination ist.

Erlaube dem Problem an die Oberfläche zu kommen und sich dir zu offenbaren. Gibt es zum Beispiel einen Widerspruch im Handlungsablauf des geplanten Romans? Ist irgendwo ein Logikfehler? Womöglich liegt das Problem an gewissen Konstellationen in deinem familiären Umfeld sprich, du bist dir vielleicht mit deinem Partner über eine Sache Uneins, sodass dieses ungelöste Dilemma dich am Schreiben hindert?

2. Mach dir bewusst, warum du prokrastinierst.

Stelle fest, welchen Effekt das bewusste Vertrödeln deiner Schreibzeit auf dich hat. Fühlst du dich dadurch beruhigt oder gar zufriedener? Ist das Prokrastinieren eine Art Belohnung für dich? Wenn ja, warum?

3. Nimm Einfluss auf dein Verhalten.

Schaffe das Problem, welches dich prokrastinieren lässt, aus der Welt. Wenn es der Plot ist: Finde den Logikfehler und schreibe dein Script um. Wenn es in der Partnerschaft oder in der Familie begründet ist: Suche das Gespräch, schildere dein Problem, warum zu vielleicht unzufrieden oder unglücklich bist, und entwickle mit deinen Lieben gemeinsam eine Lösung.

4. Sei ehrlich zu dir selbst.

Wenn du merkst, dass du im Grunde genommen mit der Aufgabe, die du dir selbst gestellt hast, überfordert bist, dann schraube deine Erwartungshaltung an dich schnellstens zurück! Oftmals ist es die Überforderung, der vermeintliche Glaube, mindestens ebenso viel wie alle anderen leisten zu können (zu wollen), die zu einem unüberwindbaren Berg ungelöster Aufgaben führt. Schließlich, wenn unser Herz schon längst weiß, dass wir uns zu viel zugemutet haben, unser Kopf das aber partout nicht wahrhaben will, finden wir uns mit unserer Lieblingstasse vor dem Bildschirm wieder, alles andere machend, außer der eigentlichen Arbeit.

5. Nimm deine Gewohnheiten unter die Lupe.

Vielleicht hast du schon immer zuerst deine eMails abgerufen oder einen Spaziergang durch die Social Media Welt gemacht, bevor du dich deiner eigentlichen Arbeit gewidmet hast. Ich selbst bin davor nicht gefeit gewesen, und zu Beginn meines SchreibLebens war das der größte Zeitfresser überhaupt. Die Tage, an denen ich sprichwörtlich im Social Media „versackt“ bin, weil ich nur mal eben schnell gucken wollte, bevor ich anfing zu schreiben, lassen sich nicht zählen … Zum Glück ist diese Zeit vorüber, weil ich dieses Verhalten als schlechte Angewohnheit erkannt und entsprechend geändert habe.

6. Entdecke ein neues, besseres Verhalten.

Womit kannst du die schlechte Angewohnheit der Prokrastination ersetzen? Welche „kleinen Helferlein“ würden dich ebenso zufriedenstellen wie Surfen im Internet, dich jedoch viel schneller in deine Schreiblaune versetzen oder dir die Problemberge nicht mehr allzu hoch erscheinen lassen? Was könnte dir helfen, umdenken zu lernen?

7. Lass aus den neuen Gewohnheiten eine feste Routine werden.

Wenn du etwas gefunden hast, dass dich vom Prokrastinieren abbringt, dann übernehme die neue Angewohnheit und wende sie regelmäßig an, denn du wirst drei Wochen brauchen, bis du eine neue, gute Angewohnheit als Routine verinnerlicht hast.

8. Überprüfe dein Verhalten regelmäßig.

Um nicht wieder Opfer der Prokrastinationsfalle zu werden, empfehle ich dir, dein Verhalten in unregelmäßigen Abständen zu hinterfragen. Einige Methoden erweisen sich auf Dauer vielleicht doch nicht als so tauglich wie ursprünglich gedacht, während andere noch gar nicht bis zum Ende ausgereizt sind. Du entscheidest, welche Angewohnheiten bleiben dürfen und welche nicht.

Für jede Form der Prokrastination gibt es einen Grund!

Wenn du wie ich Mutter bist und dich zu oft beim Prokrastinieren erwischst, trifft es dich vermutlich umso härter. Sicherlich wirst auch du dich dann fragen, warum du deine ohnehin schon kostbare Zeit vergeudest, wohlwissend, dass du stattdessen eigentlich jede freie Minute produktiv schreiben könntest.
Meine Erfahrung ist, dass man zum Beispiel dieses auf den ersten Blick als sinnlos erscheinende Surfen im Internet manchmal braucht – andere gucken vielleicht stattdessen Fernsehen – einfach, um mal abzuschalten und runter zu kommen. Jedoch solltest du dich keinesfalls von der Prokrastinationsfalle vollkommen einwickeln lassen.

Wer ständig alles Andere anstatt das Eigentliche macht, sollte sich ganz bewusst fragen:

  • Was stimmt nicht?
  • Wie komme ich dem Problem bei?
  • Womit kann ich mein Verhalten dauerhaft ändern?

In welche Prokrastinationsfallen trittst du regelmäßig? Hast du eine Idee, wie du sie in Zukunft vermeiden kannst? Wenn ja, welche? Berichte mir von deinen Erfahrungen in den Kommentaren!

Quelle Beitragsbild: Pixabay

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