Die Partei der Enttäuschten. Ein Kommentar.

Wie die Wahlanalyse (Quelle: Der Spiegel) offenbart, ist der durchschnittliche AfD-Wähler männlich, im mittleren Alter, wenig gebildet oder ungebildet, arbeitslos oder ein einfacher Arbeiter.

Die Mitglieder der AfD haben vormals langjährige politische Karrieren in einer der großen Parteien hinter sich, bevor sie sich der AfD angeschlossen haben.

1 Mio. CDU-Wähler (6%) wählten die AfD, 0.5 Mio. SPD-Wähler (5%) wählten die AfD und 1.5 Mio. (!) Nichtwähler (8%) gaben ihre Stimme aus dem Stand der AfD.

Willkommen in der Partei der Enttäuschten in einem Land der Enttäuschten.

Willkommen in einer Partei, in der der Frauenanteil gerade mal bei 16% liegt (Quelle: Der Spiegel), und die es mit fadenscheinigen Versprechungen, Parolen und aggressiver Polarisierung geschafft hat, die etablierten Parteien so weit zu entmachten, dass Deutschland am Montagmorgen nach der Wahl vor einem demokratischen Scherbenhaufen steht und wir über eine Jamaika-Koalition nachdenken müssen, damit die CDU überhaupt politisch handlungsfähig wird.

Knapp 6 Mio. Wählerstimmen sind am Wahlsonntag der AfD zugesprochen worden, so viele wie nie zuvor. Die Unzufriedenheit der Deutschen ist groß, die Enttäuschung sitzt tief. Enttäuschung über zu viel „Wischiwaschi“-Politik der letzten Jahre, gepaart mit der Frustration, als Wähler überhaupt keine Stimme mehr zu haben.

Aber stimmt das? Haben wir, die Wähler, tatsächlich keine Stimme mehr?

Ist es nicht vielmehr so, dass wir Wähler und Wählerinnen uns mal an die eigene Nase fassen müssen um zu reflektieren, was wir besser machen können, damit die Stimmen der Enttäuschten nicht zu solch radikalen Parteien wie der AfD gehen? Und ist unsere Enttäuschung tatsächlich so enorm, dass wir unsere Stimme bereitwillig an die AfD verscherbeln, anstatt sie an anderer Stelle sinnvoll sprechen zu lassen?

Deutschland ist seit Langem von großer Politikverdrossenheit geprägt. Überall, im TV, im Bekanntenkreis, im Wirtshaus wird gemeckert, was das Zeug hält. Man sucht nach Bestätigung für den eigenen Frust, und irgendwo findet sich immer einer, der mindestens ebenso enttäuscht ist. Auf ein Bier!, und dann geht es los, das Lamentieren, das Besserwissen, das Genörgel. Spätestens nach dem zweiten Bier kommen wir im Regelfall zum Konsens, dass alles Mist ist, was die da oben machen und schlurfen wieder auf unsere gemütliche Couch zurück, in der Gewissheit, gesellschaftlich gut aufgehoben zu sein im Kreis der Politikverdrossenen. Wir fühlen uns sicher, schließlich geht es den anderen ja auch so.

Wir sind so unglaublich bequem geworden. Zu bequem.

Unsere Bequemlichkeit ist so groß, dass wir vollkommen verlernt haben, anderen mal unbequem zu werden. Wir haben es uns sprichwörtlich aberzogen, uns für etwas einzusetzen, wenn es nicht gerade die Wahl des nächsten Fertigmenüs betrifft oder die Entscheidung, wo man den Urlaub verbringt. Der Rest läuft schon! Die anderen machen es ja auch so! Sich einzusetzen bringt doch eh nichts!

Kaum jemand in meinem Bekanntenkreis hat sich neben dem ganzen Gemecker mal die Frage gestellt, was er oder sie eigentlich konstruktiv zur Verbesserung der Bedingungen beitragen kann. Kaum einer überlegt, wie Frust in demokratischen Aktionismus katalysiert werden kann, wie ein individueller Beitrag gegen sie Enttäuschung aussehen könnte, der mehr ist als Protestwahl oder Nichtwahl.

Ehrlich, Leute. Das können wir besser!

Eine Partei der Enttäuschten kann sich nur formieren und erstarken, wenn wir ihr den Raum dazu geben. Wenn wir müde geworden sind, unsere demokratischen Grundwerte zu schützen und zu verteidigen. Wer nicht wählen geht, weil er Demokratie als selbstverständlich erachtet, hat nicht begriffen, dass sie nicht selbstverständlich ist.

„Wir sind das Bollwerk der Demokratie!“ – Martin Schulz

Dieses Mal ist die AfD mit 13% in den Bundestag gewählt worden. Der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz verkündete gleich am Wahlabend, gemeinsam mit denetablierten Parteien die demokratischen Werte zu schützen.Nun ist es auch an uns Wählern, Verantwortung zu übernehmen und alles daran zu setzen, dass die AfD nicht noch weiter erstarken kann.

Als Schriftstellerinnen tragen wir eine große gesellschaftliche Verpflichtung in uns. Es ist unsere Aufgabe, die Leserschaft durch unsere Texte wachzurütteln, sie auf gesellschaftliche und soziale Missstände aufmerksam zu machen und auch stets daran zu erinnern, dass wir demokratische Grundwerte zu verteidigen haben. Die künstlerische Freiheit macht es uns möglich. Wir dürfen eine bunte, vielfältige Stimme des Volkes zu sein, uns multikulturell auszudrücken und unser schriftstellerisches Werk zu einer machtvollen Stimme anschwellen lassen.

Nutze auch du deine Stimme!

Werde den Enttäuschten unbequem, denn:

#WirSchreibenDemokratie!

Die Aktion „Wir schreiben Demokratie“ ist eine Gemeinschaftsaktion des Nornennetzwerks, der Vereinigung der Schriftstellerinnen der Fantastik:
Weitere Schriftstellerinnen haben sich bereits beteiligt:

Nike Leonhard: #WirSchreibenDemokratie – und ich schreibe mit!

Eva-Maria Obermann: Warum jeder Politiker ist – Ein Beitrag zu #WirSchreibenDemokratie

Esther Wagner: #WirSchreibenDemokratie

Mareike von „Die Bücherkrähe“: Bundestagswahl 2017, oder: Armutszeugnis für Deutschland (AfD)

Carola Becker von „Frau Schreibseeles Schreibblog“: #WirSchreibenDemokratie – Und ich schreibe mit, weil ich bunt mag

Die Mutter (84) der Schriftstellerin Mikaela Sandberg äußert sich in einem Video zu #WirSchreibenDemokratie: #HermineWähltBunt

Nike Leonhard: #WirSchreibenDemokratie – Weil wir uns erinnern wollen!

 

 

Quelle Beitragsbild: Pixabay

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