Wie ich es geschafft habe, an einem Wochenende mehr als 10.000 Wörter zu schreiben

… und warum das für eine schreibende Mama in vielerlei Hinsicht von Bedeutung ist.

10.000 Wörter an einem Wochenende schreiben, wie macht man das als Mama?

Ehrliche Antwort: Man schickt die Familie fort.

Und darüber hinaus?

Um einen Schreibmarathon zu bestehen, übe dich in Selbstdisziplin!

Natürlich hätte ich auch das Unkraut jäten können an diesem Schreibwochenende. Immerhin steht es mittlerweile fast meterhoch in einigen Beeten. Bodendeckende Stauden, einige Sträucher und ein kleiner Zwetschgenbaum warten sehnsüchtig darauf, von mir am Ort ihrer Bestimmung eingepflanzt zu werden. Die Pflanzen und das Unkraut mussten warten.

Ähnlich erging es den Wollelefanten im Haus, den Staubkrümeln, den Sandkörnchen unter dem Schuhregal an der Garderobe, der Schmutzwäsche, den Fenstern im Obergeschoss, die schon längst wieder dran sind mit putzen. Sie alle mussten warten, denn ich habe ihnen einen Platz am Ende meiner Aufmerksamkeitskette zugeteilt – mit einem riesigen schlechten Gewissen, das ständig bekämpft werden wollte.

Die 1. Schreibsession – Freitagnachmittag – 2.399 Wörter

Als ich am Freitagnachmittag anfing zu schreiben, huschte mein Blick noch ab und zu in den Garten. Wenn ich in die Küche ging, um mir etwas zu trinken zu holen, verkniff ich es mir, mich um das schmutzige Geschirr auf der Arbeitsfläche zu kümmern. Das war nicht leicht. Meine Erziehung ist so dermaßen gut, dass ich mich sofort schuldig gefühlt habe, die Hausarbeit nicht zu erledigen.

Der Freitagnachmittag lief dennoch mit dem Schreiben sehr gut, das Gefühl, endlich loslegen zu können, frei zu sein von sämtlichen mütterlichen und hausfraulichen Verpflichtungen, einfach das machen zu können, was ich wollte, beflügelte den Schreibmuskel und die Worte flossen nur so aus mir heraus. Außerdem beruhigte ich mein schlechtes Gewissen zu dem Zeitpunkt noch mit der Versicherung, ja noch den ganzen Samstag und den Sonntagvormittag vor mir zu haben, genug Zeit, um wenigstens noch ein Minimum an Hausarbeit einzuschieben.

Die 2. Schreibsession – Samstagvormittag – 1.267 Wörter

Am Samstagvormittag, nach den ersten 300 Wörtern, ebbte diese Euphorie langsam ab. „Du könntest ja auch in den Garten, immerhin hast du doch jetzt schon ordentlich was geschrieben!“ Das kleine Stimmchen namens Pflichtbewusstsein fing wieder an, sich aus den Tiefen meines schreibenden Kopfes nach oben zu graben. Und nicht nur einmal, irgendwie schien es ständig da zu sein, rumzunörgeln und mir den Tag langsam aber sicher versauen zu wollen. Ganz ehrlich: Ab da wurde es hart.

Die 3. Schreibsession – Samstagvormittag – 1.862 Wörter

In dem Wissen, mal kein Mittagessen für vier Personen kochen zu müssen, sondern für sich allein mit einem kalten Imbiss vollkommen zufrieden zu sein und dadurch eine Menge Zeit zu sparen, habe ich mich nach einem Kaffee und einer Social Media Pause vormittags noch einmal an mein Manuskript gesetzt. Definitiv kam an der Stelle mein Kampfgeist heraus, der es dem Pflichtbewusstsein und der Faulheit einfach nicht zugestehen wollte, die Oberhand über mein Schreiben zu gewinnen. Und schließlich ging es auch. Indem ich mir immer wieder vorgebetet habe „Du machst das jetzt! Du schreibst!“, habe ich die Talfahrt der Motivationskurve angehalten und mich langsam wieder nach oben gearbeitet (geschrieben).

Die 4. Schreibsession – Samstagnachmittag – 1.374 Wörter

Mit Abschluss der vorherigen Session habe ich mein Mittagessen gemacht (5 Minuten Arbeit, nichts im Vergleich zu sonst! 😉 ), und mich dann ganz bewusst für eine längere Pause mit einem Waldspaziergang entschieden. Eine Stunde flott über die Waldwege spazieren, die feuchte, frische Luft einatmen und sich bewegen, das tat richtig gut und brachte wieder Energie zurück. Es fiel mir leicht, mich für diese 4. Etappe an den Schreibtisch zu setzen und weiterzuschreiben. Darüber hinaus schien mein Gehirn so langsam akzeptiert zu haben, dass es mir für die nächsten Stunden nicht mehr mit lästigen Ermahnungen an mein Pflichtbewusstsein und Gewissen kommen brauchte – ich würde eh nicht mehr darauf hören.

Die 5. Schreibsession – Samstagabend – 1.533 Wörter

Am frühen Samstagabend habe ich mich nach dem Schreiben belohnt: Lesezeit auf der Couch, ein Glas kalter Weißwein, ein paar Cracker dazu. Für diese Belohnung gab es zwei sehr gute Gründe: Zum Einen hatte ich bis dahin 6.902 Wörter geschrieben, und zum Anderen mein schlechtes Gewissen in Bezug auf die liegengebliebene andere Arbeit überwunden. Deshalb konnten neue Gefühle, nämlich Stolz auf diesen Wordcount und Glück über das bis dahin Erreichte Einzug halten. Dieser feine, kleine Unterschied in der inneren Haltung wirkte sich enorm auf die Motivation aus. Statt sich dafür zu schämen, Schreibzeit dieses Ausmaßes für mich beansprucht zu haben, hüllte ich mich in diese 6.902 Wörter wie in ein neues Kleid genoss den Schutz, den sie mir boten. 6.902 Wörter in der kurzen Zeit, das war viel und ich wusste das, das mussten andere erstmal schaffen!
Derart glücksduselig setzte ich mit abends ab acht noch mal hin und schrieb noch eine weitere Runde, sodass ich beim Zubettgehen auf einer Wolke aus 8.435 Worten schwebte.

Die 6. Schreibsession – Sonntagvormittag – 1.827 Wörter

Sonntagvormittag bildete den letzten Schreibzeitraum für meinen Wochenendmarathon. Ich hatte in der Nacht nicht sooo gut geschlafen, weil ich viel zu aufgekratzt war vor lauter Freude über das Erreichte. Damit wäre dann wohl geklärt, dass man auch von Worten einen Schwips bekommen kann. 😉 Ein starker Kaffee und ein in den Ring geworfener Fehdehandschuh meiner Wettkämpferin, die mich mit einem „Los! Die 10.000er Marke knackst du jetzt auch noch!“ herausforderte, brachten mich an den Schreibtisch zurück. Und tatsächlich: Entweder war die Szene gerade so leicht zu schreiben, oder ich hatte sämtliche inneren Widerstände (Gewissen, Zweifel, Unsicherheit, Pflichtbewusstsein) durch 8.435 Worte einfach k.o geschlagen – das Schreiben lief wie von selbst. Gegen halb zwölf hatte ich die Szene fertig und meine letzte Schreibsession damit beendet.

10.262 Wörter verriet mir die Tabelle am PC. 10.262! Ehrlich wahr: Ich konnt´s kaum glauben und saß erstmal einige Momente leicht irre kichernd am Schreibtisch.

Dieser Schreibmarathon ist viel mehr als Worte …

Mehrmals an diesem Wochenende habe ich gemerkt, dass ich nachlassen wollte. Und trotzdem: Ich bin mir selbst treu geblieben, habe mich nicht von äußeren Dingen abholen lassen und mich zu 120% auf´s Schreiben konzentriert. Und das immer und immer wieder, ein ganzes Wochenende lang.

Wie ich eingangs beschrieb, bestand ein großer Teil dieser Arbeit gar nicht unbedingt im Schreiben selbst, sondern darin, innere Widerstände als solche zu erkennen, zu bezwingen und sie zu überwinden. Für mich war das eine neue und sehr lehrreiche Erfahrung, weshalb ich auch beschlossen hatte, sie heute in diesem Beitrag auf SchreibLeben zu teilen.

Als Mutter ist man es gewohnt, dass es ständig an irgendwelchen Ecken brennt und man eher reagiert als agiert. An so einem Schreibwochenende (die anderen drei waren campen gefahren) gelten die Beschränkungen aus festen Abläufen, Aufgabenverteilung und auch Erwartungshaltung nicht mehr. Dieser große Batzen Zeit, meiner freien Zeit, stellte mich anfangs wirklich vor ein Problem. Zwar hatte ich mir fest vorgenommen zu schreiben, aber … es gab ja noch so viele andere Möglichkeiten (spontaner Trip nach Bremen am Samstagmorgen?) und unendlich viel Zeit!

Zu meiner Überraschung musste ich mich schon am Freitagnachmittag vor dem ersten Tastenanschlag zur Ordnung rufen. Eine Mischung aus Pflichtgefühl, plötzlich aufgetretener Faulheit und Verlockungen drohte, das Vorhaben des Schreibmarathons im Keim zu ersticken – ausgerechnet, wo die Gelegenheit dafür doch endlich da war!

Schlimmer als diese erste Hürde, auch wirklich das zu tun, was man sich vornimmt, war die ständige Begleitung durch das schlechte Gewissen. Ich habe gelernt, dass Pflichtbewusstsein und schlechtes Gewissen enorm große innere Widerstände sind, an denen zumindest ich richtig zu kämpfen habe. Und auch hier kann ich eine neue, wichtige Erfahrung verzeichnen: Je größer der Wordcount, umso kleiner das schlechte Gewissen. Spätestens als ich Samstagnachmittag 6.902 Wörter in meiner Tabelle dokumentiert hatte, wusste ich, dass ich das schlechte Gewissen geknackt hatte. Ich hatte endlich keine Skrupel mehr, zu schreiben und dafür auch einzustehen.

Weshalb so ein Schreibmarathon wichtig für uns schreibende Mütter ist

Jeder anderen schreibenden Mutter kann ich ein Schreibwochenende nur wärmstens empfehlen. Falls es irgendwie möglich ist: Organisiere deine Lieben oder dich aus dem Zuhause und schreib.

Mir hat dieses Wochenende, das ich ganz allein mir mit verbringen durfte unglaublich gut getan; ganz einfach, weil ich etwas für mich getan habe. Ich habe meine Projekte vorangebracht, wenn auch mit anfänglichen Schwierigkeiten. Und, so paradox das aus mütterlicher Sicht auch erscheinen mag: Dieses Gefühl, vollkommen selbstbestimmt zu sein, nur dir gegenüber verantwortlich zu sein, tut wahnsinnig gut, auch wenn es situationsbedingt nur vorübergehend ist.

Diese 10.000 geschriebenen Worte sind jedoch von Dauer. Die Freude und der Stolz, das geschafft zu haben, werden noch lange in mir nachhallen. 🙂

Tipps zum Durchhalten eines Schreibmarathons

– Mach dir ein grobes zeitliches Gerüst für dein Wochenende. Richte dir Schreibetappen, aber auch Pausenzeiten, Esszeiten und Ruhezeiten ein. Durch diesen groben Fahrplan weißt du, woran du bist und kannst dich besser drauf einstellen.

– Viel trinken! Stell dir ein großes Glas Wasser an deinen Schreibplatz und trinke es auch wirklich während des Schreibens aus. Je mehr du trinkst, umso besser kannst du dich konzentrieren.

– Ein süßer Snack darf sein. Ab und zu braucht man halt mal einen Riegel Schokolade. Oder ein Eis. Oder den Zwetschgenkuchen. 😉

– Halte deine Pausenzeiten ein! Neben der einen oder anderen richtigen Mahlzeit solltest du dir unbedingt auch Pausen können, und diese mit Bewegung verbinden. Frische Luft und Bewegung fördern die Durchblutung und helfen gegen das Matschgefühl im Kopf, wenn man schon viel zu lange den Bildschirm angestarrt hat.

– Trickse deinen inneren Schweinehund aus. Wenn es mit der Motivation mal so gar nicht mehr klappen will, könnte dir die Vernetzung mit anderen sehr helfen. Meine schreibenden Kolleginnen aus dem Nornennetzwerk haben mich z.B. zwischendurch immer mal wieder angefeuert, wenn ich im Social Media zu lange herumprokrastinieren wollte.

Quelle Beitragsbild: Pixabay

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.