Wenn Mama nicht mehr schreiben kann: Die Schreibblockade

Dein Kopf ist voll. Er ist so voll, dass er platzen könnte. In einem Moment bist du in Italien, erlebst den Wiederaufbau eines Weinguts nach dem 2. Weltkrieg und im Nächsten spielst du mit den Feen Schach um dein Leben und um das deiner Protagonisten. Und was davon schreibst du auf?

Nichts. Null.

Weil es nicht geht. Es ist alles in dir drin, aber trotzdem bist du nicht in der Lage, wenigstens einen kleinen Teil davon aus deinem Kopf durch den Arm, in die Hand bis hin zur Spitze deines Füllfederhalters (aka Tastatur) aufs Papier zu leiten. Spätestens, wenn deine Geschichte den Punkt an deiner Halsschlagader passieren will, um über die Schulter weiter hinab zu fließen, kommt es zur völligen Stagnation. Es will nichts raus, und dein Kopf füllt sich mit jedem Tag immer mehr. Du weißt nicht mehr ein und nicht mehr aus nur, dass etwas ganz, ganz anders ist als sonst, und irgendwie nichts mehr geht. „Rien ne va plus!“

Du kennst das? Oder vielleicht hat sich dieses Gefühl deiner gerade bemächtigt? Was vor Tagen noch so selbstverständlich war, ist es plötzlich nicht mehr.

Willkommen in der Schreibblockade!

Du haderst. Und zauderst. Und dann haderst du wieder, und zauderst noch einmal, und kommst trotzdem nichts weiter. Kein flüssiger Text für deinen Blogbeitrag und schon gar kein Kapitel für deinen Roman, der dir bis gestern noch wie das Salz der Erde erschien. Alles, was dir zuvor als sicher erschien, ist es plötzlich nicht mehr.

Wie dich die Schreibblockade von einem auf den anderen Moment abholt

Im Grunde genommen findest du selbst das, was du schreibst, sehr gut. Du bist davon überzeugt. Eigentlich. Wenn da nicht dieses kleine Stimmchen wäre, dass dir ständig einredet, dass es totaler Bockmist ist, den du da verzapfst … Hallo, Selbstzweifel!

Du liebst es, in den Flow zu kommen. Voller Wonne versenkst du dich in die Szene, schreibst dir das Herz aus der Seele und – ganz ehrlich – erschaffst Wortpoesie. Wenn da nur nicht dein Zeitplan rechts hinter dir auf der Pinnwand wäre, der dir mit jedem weiteren Tag bestätigt, dass du deine eigene Deadline bereits seit zwei Wochen verpasst hast … Willkommen, Erfolgsdruck!

Du bist bestens vorbereitet: Marketingstrategie, Manuskript drei Mal überarbeitet, hast dein Cover ausgesucht und nun musst du alle Puzzleteile nur noch zu einem großen Ganzen zusammenfügen, aber … Willkommen, Versagensangst!

Eine Schreibblockade kann dich in jedem Stadium deines kreativen Prozesses abholen!

Egal, wo du dich gerade befindest, sei es mitten im Schreiben, in der Überarbeitung oder im Schreiben von Marketingtexten für dich selbst: Noch ehe du dich entschließt, mit deinen Kindern zum nächsten Waldspielplatz zu fahren, kannst du von diesem „Ding“ erwischt worden sein, und es dir den Tag (oder die nächsten Monate!) gehörig versauern!

Wir Autorinnen sind davon zuerst einfach nur betroffen. Wir merken, dass etwas nicht stimmt, dass es uns nicht recht gelingen mag, so unbeschwert wie sonst Zugang zum Text zu bekommen. „Nichts Wildes!“, denken wir am ersten Tag. Und am Zweiten sind wir so von der Familie eingespannt – da ist es sowieso unmöglich, in Ruhe zu schreiben. Am dritten Tag will uns die Entschuldigung, warum es mit dem Schreiben ausgerechnet heute nicht klappt, nicht so recht einfallen – sicher ist uns nur Eins: Schreiben? Unmöglich! Und so entfernen wir uns Tag für Tag immer ein kleines Stückchen weiter von dem, was wir eigentlich erreichen wollen: Ein fertiges Manuskript in den Händen halten.

Mit jedem Tag, an dem du nicht schreibst – obwohl du es willst – wächst dein schlechtes Gewissen ins Unermessliche und verstärkt dadurch die Schreibblockade umso mehr. Ganz unbewusst. Gratis, und garantiert mit Nebenwirkungen.

Weißt du, wie schlimm deine Schreibblockade ist?

Sich mit einer Schreibblockade auseinandersetzen zu müssen, ist eine fiese Sache. Meine Erfahrung mit Schreibblockaden ist (leider) so groß, dass ich dir ihre verschiedenen Abstufungen zeigen kann:

Leichte Schreibblockade

Du weißt genau, wo die Geschichte hin soll, schließlich hast du ihren Verlauf auf deinem White Board (oder in Form einer Karteikarten-Gliederung) festgehalten. Trotzdem merkst du, dass du immer nervöser wirst, je näher du einer von dir geplanten Szene kommst. Schließlich ist der Morgen da, an dem „diese Szene“ dran ist – und nichts geht mehr. Tagelang druckst du um das Schreiben derselben herum. Irgendetwas hält dich davon ab, die Szene zu Papier zu bringen. Am Ende umgehst du diese eine Szene oder änderst noch einmal die ganze Gliederung ab. Der Punkt ist: Du hast gemerkt, dass etwas in deinem Skript nicht stimmt und dich vom Schreiben abhält; mit ein paar Umstrukturierungen bist du bald wieder im Boot und nimmst Kurs auf das nächste Etappenziel.

Mittlere Schreibblockade

Es ist schon harter Tobak, sich mit einer mittleren Schreibblockade auseinandersetzen und ihre Ursachen finden zu müssen. So kannst du dich zum Beispiel über mehrere Wochen fragen, warum du nicht mehr schreiben kannst, bis du schließlich dahinter kommst, dass dir das Manuskript einfach nicht mehr zusagt. So, wie sich Menschen verändern, ändern sich manchmal auch die Vorlieben der Autorin. Ein Genre oder Subgenre, das du bis vor Kurzem noch richtig toll fandest, und in dem du dich schon über 45.000 Worte warm geschrieben hast, kann dir plötzlich nicht mehr als ein Gähnen entlocken. Da kann es dir ganz schön schwerfallen, die Entscheidung zu treffen, ob du dein Werk noch zu Ende schreibst, oder ob du ein Neues in deinem Wunschgenre beginnst. Die Entscheidungsfindung kann sich über Wochen hinziehen – und mit ihr die Schreibblockade.

Schwere Schreibblockade

Du willst Alles hinschmeißen. Du findest dich und jedes Wort, jede Idee, die du zu Papier gebracht hast, einfach nur noch kacke. Gar nichts ist gut genug, und sowieso: Niemand will den Schund, den du in deinen Augen verzapft hast, lesen. An einigen Tagen ist es sogar so schlimm, dass du nicht mal mehr einen Einkaufszettel schreiben kannst, weil du dir nicht einmal mehr das zutraust. Diese Art der Schreibblockade hält über Monate an und manifestiert sich in Versagensangst, die wiederum aus vielen Negativerfahrungen, wie z.B. gescheiterten Veröffentlichungen im Selfpublishing, etlichen Absageschreiben von Verlagen oder Literaturagenturen und auch ausbleibender Anerkennung in Form von Rezensionen oder Likes im Social Media stammt. Es ist sehr, sehr schwer, aus dieser Schreibblockade herauszukommen, weil sie über das Inhaltliche hinausgeht. Diese Schreibblockade wird persönlich und ist deshalb auch so fies.

Eine Schreibblockade ist hausgemacht – zum Glück!

Alles, was dich vom Schreiben abhält, ist hausgemacht. Dieser Satz mag dir beim ersten Lesen zwar hart erscheinen, schließlich bist du die Letzte, die sich eine Schreibblockade gewünscht hat, aber je öfter du dir vor Augen führst, was dieser Satz wirklich bedeutet, umso leichter und bereitwilliger wirst du ihn akzeptieren und danach handeln. Denn: Das, was du dir selbst anschaffst, wirst du auch am ehesten wieder los!

Der Schlüssel: Eigenverantwortung überwindet die Schreibblockade!

Im Grunde genommen ist es uns klar, trotzdem scheinen wir uns wie ein Mantra täglich daran erinnern zu müssen: Du und ich, jede von uns ist für ihr Leben eigenverantwortlich.

Nur du kannst dir selbst glaubhaft versichern, dass du gut genug bist.
Nur du kannst für die Einsicht sorgen, dass die Qualität deiner Arbeit den Aufwand überwiegt.
Nur du kannst dir Tag für Tag eine weitere Chance geben – unabhängig davon, wie viele du noch brauchst.

Es liegt in deiner eigenen Verantwortung, wie viel Raum du Selbstzweifeln, Erfolgsdruck, Versagensangst und allem gibst, das Futter für deine Schreibblockade ist.

Bevor du den Miesmachern Platz machst: Übernimm die Verantwortung und frag dich mal ganz ernsthaft, was du eigentlich davon hast, wenn die gewinnen! – Richtig, nichts. Also lass‘ sie gar nicht erst so weit kommen!

Schreibblockaden wollen losgelassen werden

Schreibblockaden werden sich immer wieder von hinten quer durch die Brust anschleichen. Sie wollen dich sich klein, mies, schlecht und vor allem minderwertig fühlen lassen. Je mehr du in der Lage bist, für dich und dein Schreiben die Eigenverantwortung zu übernehmen, umso weniger Macht werden sie über dich haben, ganz einfach, weil du es ihnen nicht gestattest.

Das Schreiben ist für dich als Mutter eine ganz persönliche Reise, es ist eine Entfaltung deines eigenen Abenteuers. Wenn du merkst, dass eine Schreibblockade kommt: Sag „Hallo!“ und schick sie wieder fort! Lass‘ sie gehen. Genau so, wie du jeden Tag das Selbständig werden deiner Kinder beobachtest und weißt, diese ebenfalls gehen lassen zu müssen.

Quelle Beitragsbild: Pixabay

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